Bruno & Celine

Bevor wir in das Haus auf der Metzkauser Straße einziehen konnten, musste erst die untere Etage kernsaniert werden. Wir nahmen solange mit der geräumigen Dachwohnung vorlieb. Die Kinder waren mit Schäferhund Mischling Hannes aufgewachsen, der uns im hohen Alter von 17 Jahren verlassen hat. Als Hannes starb hinterließ er eine große Lücke. Ich erzählte den Kindern, dass Hannes, wie wir beim Umzug, die Räume gewechselt habe, und dass er nun im Himmel wohne. Er hat beim Umzug keine Lieblingssachen in den Koffer gepackt, sondern ganz viele kleine Geschichten. Jeden Abend würde er nun im Himmel auf seiner Wolke sitzen, diese einzeln aus dem Koffer holen und zu den Kindern in die Betten fallen lassen. Täglich gab es von da an eine „Hannes Gute Nacht Geschichte“.  Ich weiß, dass uns die treuen Seelen nie verlassen – aber so fanden auch die Kinder ihren Trost.

 

Meine Mutter versorgte die Kinder fortwährend mit neuen Spielen und Büchern. Heiß begehrt war das Buch über Hunderassen, in dem wir auf den „Whippet“ stießen. Obwohl sie sehr mager und empfindlich aussahen, war ich gleich fasziniert. Die Rassebeschreibung lass sich so, dass diese Hunde gut in eine Familie mit kleinen Kindern passen könnten. Ohne Hund kann man nicht sein, und um die Rasse besser kennen zu lernen, besuchten wir einige Whippetzüchter.

Dabei trafen wir Bruno, also eigentlich Calvin Klein. Der Welpe war schon vergeben. Aber der Züchter rief mich einige Wochen nach unserem Besuch an und teilte mit, dass der Rüde wieder frei sei. So kam es, dass Bruno bei uns einzog. Knapp fünf Monate später besuchten wir eine Whippet-Ausstellung und trafen dort den Züchter wieder. Es sei noch eine Hündin aus dem C-Wurf frei, sie sei zu schmal und hochbeinig für die Zucht, ob wir sie dazu nehmen wollten. Als Celine auf mich zukam, war das keine Frage mehr – sie hat mir direkt ins Herz geschaut.

 

Mit der Aufnahme von Celine haben wir uns bewusst für eine Mehrhundehaltung entschieden. Bruno war bereits gute vier Monate bei uns. Er zeigte sich als freundlicher, unkomplizierter und gut führbarer Junghund. Hundeerfahrung hatten selbst die Kinder reichlich – schließlich hatte die Oma auch einen Hund – so konnten wir es wagen einen weiteren Hund aufzunehmen. Bruno war der Familienhund: allzeit bereit, beispielsweise zum Joggen mit Papa, zum Kuscheln mit Leonie, zum Spielen mit Lili, aber auch zum Toben mit Lukas. Als Celine dazu kam änderte sich daran nichts, denn Celine war ein „Mama-Hund“. Bruno & Celine begleiten mich durch den Alltag und waren mir bei der Arbeit mit den Pflege- und Gasthunden, jeder auf seine Art und Weise, stets eine Hilfe.

 

Meine Whippets haben mich auf das Schicksal der Windhunde in Spanien aufmerksam gemacht. Und so begann mit ihrem Einzug auch mein Tierschutz-Engagement. Das offene und freundliche Wesen der Beiden verhalf all meinen vielen Pflegehunden, egal welcher Rasse, zu einem guten Start ins neue Leben. Ihre Beständigkeit, ihre höfliche und, ja, zärtliche Art, überzeugte jeden der aufgenommenen Hunde vom Sinn sozialen Verhaltens innerhalb der Gruppe. Ich hätte mir keine besseren Helfer an meiner Seite wünschen können.

 

Bruno und Celine haben mit mir und meiner Familie und meiner Hundegruppe wundervolle gemeinsame und erfüllte Zeiten verbracht. Vier Monate nach der Auflösung des Wurfes wurden sie kurz getrennt, um bei uns wieder aufeinander zu treffen. Sie waren so unterschiedlich wie Feuer und Wasser und gestalteten ihren Alltag doch immer in inniger Zweisamkeit. Bis zuletzt.

 

Jetzt, 16 Jahre später, wurde es Zeit die Räume zu wechseln. Die Kinder sind jetzt erwachsen und brauchen keine Geschichten mehr.

Wenn wir den Wind auf unserer Haut spüren, ist es nie ein einzelner Windhauch – es sind immer zwei – niemals allein und immer an unserer Seite.

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